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Marcello Mercado
Bestiary for the Minds of the 21st Century: Genomic Opera, 2015
artist’s book (within a multi-channel installation)
data mining and 3D-printed genomic notation
ABS plastic and polylactic acid (PLA, bioplastic) on polymethyl methacrylate (PMMA)
copper-coloured 3D-printing errors (glitches) and fabrication remains
3D objects generated from genomes of mammals, insects, fungi and bacteria
90 pages
40 × 60 × 30 cm

Marcello Mercado
Bestiary for the Minds of the 21st Century: Genomic Opera, 2015
artist’s book (within a multi-channel installation)
data mining and 3D-printed genomic notation
ABS plastic and polylactic acid (PLA, bioplastic) on polymethyl methacrylate (PMMA)
copper-coloured 3D-printing errors (glitches) and fabrication remains
3D objects generated from genomes of mammals, insects, fungi and bacteria
90 pages
40 × 60 × 30 cm

Marcello Mercado
Bestiary for the Minds of the 21st Century: Genomic Opera, 2015
artist’s book (within a multi-channel installation)
data mining and 3D-printed genomic notation
ABS plastic and polylactic acid (PLA, bioplastic) on polymethyl methacrylate (PMMA)
copper-coloured 3D-printing errors (glitches) and fabrication remains
3D objects generated from genomes of mammals, insects, fungi and bacteria
90 pages
40 × 60 × 30 cm


Marcello Mercado
Bestiary for the Minds of the 21st Century: Genomic Opera, 2015
artist’s book (within a multi-channel installation)
data mining and 3D-printed genomic notation
ABS plastic and polylactic acid (PLA, bioplastic) on polymethyl methacrylate (PMMA)
copper-coloured 3D-printing errors (glitches) and fabrication remains
3D objects generated from genomes of mammals, insects, fungi and bacteria
90 pages
40 × 60 × 30 cm

Marcello Mercado
Bestiary for the Minds of the 21st Century: Genomic Opera, 2015
artist’s book (within a multi-channel installation)
data mining and 3D-printed genomic notation
ABS plastic and polylactic acid (PLA, bioplastic) on polymethyl methacrylate (PMMA)
copper-coloured 3D-printing errors (glitches) and fabrication remains
3D objects generated from genomes of mammals, insects, fungi and bacteria
90 pages
40 × 60 × 30 cm

Marcello Mercado
Bestiary for the Minds of the 21st Century: Genomic Opera, 2015
artist’s book (within a multi-channel installation)
data mining and 3D-printed genomic notation
ABS plastic and polylactic acid (PLA, bioplastic) on polymethyl methacrylate (PMMA)
copper-coloured 3D-printing errors (glitches) and fabrication remains
3D objects generated from genomes of mammals, insects, fungi and bacteria
90 pages
40 × 60 × 30 cm
In Bestiarium für die Köpfe des 21. Jahrhunderts: Genomische Oper präsentiert sich das Buch als materielles Dispositiv, in dem biologische Prozesse, algorithmische Operationen und sensorische Übersetzungen zu einer handhabbaren, gewichtigen und taktilen Sequenz verdichtet werden, die sich der Neutralität des Archivs widersetzt.
Jede Seite fungiert als Schwelle zwischen Systemen der Einschreibung: genetische Sequenzen werden in Klang transformiert, Klang in Volumen überführt, Volumen in 3D-gedruckten Oberflächen fixiert, die die Funktion musikalischer Notation annehmen, ohne sich den historischen Regimen der Partitur zu unterwerfen. Das Buch repräsentiert die Oper nicht; es verkörpert sie. Es erscheint als aktives Archiv, als geschichteter Körper aus Fehlern, Rückständen, Überlagerungen und instabilen Materialitäten.
Der Einsatz industrieller Kunststoffe und Biokunststoffe, Druckreste, Deformationen und strukturelle Kollapsmomente sind keine Nebeneffekte des technischen Prozesses, sondern konstitutive Elemente seiner ästhetischen Logik. Das Buch dokumentiert ein Produktionsregime, in dem Übersetzungen zwischen Medien—Genom, Audio, Objekt, Bild—niemals sauber oder transparent sind. Jede Konversion bringt Rauschen, Störungen und Abweichungen hervor: eine Poetik der Reibung, die den Archivbegriff von der Bewahrung zur Mutation verschiebt.
Die Seiten fungieren als operative Platten: Oberflächen, die betrachtet, berührt, gerieben und aktiviert werden können. Durch die Integration dreidimensionaler Objekte auf gedruckten Notensystemen schlägt das Buch eine latente Choreografie zwischen Hand und Ohr, zwischen Geste und Vibration vor. Lesen ist hier kein rein optischer Vorgang mehr, sondern wird zu einer körperlichen Praxis. Die Partitur wird nicht aus Distanz interpretiert; sie wird durch Kontakt ausgeführt und macht den Leser-Betrachter zum vorläufigen Interpreten des Systems.
Der „bestiale“ Charakter des Buches verweist nicht auf figurative Ikonografie, sondern auf ein Regime der Proliferation: Akkumulationen von Formen, gekreuzte Genealogien, abstrakte Spezies, die aus biologischen Daten und technischer Vermittlung hervorgehen. Das Bestiarium klassifiziert nicht; es überschreitet. Jede Doppelseite evoziert ein instabiles Ökosystem, in dem genomische Rückstände, algorithmische Strukturen und manuelle Entscheidungen ohne feste Hierarchien ineinandergreifen.
Als Objekt nimmt der Band skulpturale Dimensionen an. Maßstab, Gewicht und Volumen setzen ihn in Spannung zur Tradition des portablen Buches und erzwingen eine räumliche und körperliche Beziehung. Sein Öffnen wird performativ, seine Handhabung zum Ereignis. Das Buch existiert zugleich als Archiv, Partitur, Skulptur und Klangmaschine.
Im Kontext der größeren Installation fungiert es als operatives Reservoir: als materieller Speicher von Einschreibungen, die durch Mikrofone, Sensoren und Echtzeit-Visualisierungen fortwährend reaktiviert werden können. Anstatt eine definitive Version des Werks zu fixieren, etabliert es eine offene Zeitlichkeit, in der jede Interaktion neue Schichten erzeugt und frühere zugleich erodiert.
Anstatt Leben als Daten zu stabilisieren, insistiert Genomic Opera—in seiner Buchform—auf dessen turbulenter Verfassung. Genetik erscheint hier nicht als souveräner Code, sondern als Materie, die unvollkommenen Übersetzungen, technischen Eingriffen und körperlichen Begegnungen unterworfen ist. Das Archiv bewahrt nicht mehr; es verhält sich.
So wird das Buch zu einer Plattform post-anthropozentrischer Experimentation, in der Organismen, Maschinen und Menschen an derselben Ökonomie sensibler Produktion beteiligt sind. Es gibt kein singuläres autoriales Zentrum, sondern ein verteiltes Netzwerk von Handlungsmächten zwischen molekularen Sequenzen, 3D-Druckern, piezoelektrischen Mikrofonen und den Händen der Besucher.
Mehr als ein visuelles Kompendium schlägt der Band eine radikale Neudefinition des Künstlerbuches als synästhetische Schnittstelle vor: einen Raum, in dem Information, Körper und Materie in einem instabilen Kontinuum verschränkt sind und in dem die Oper aufhört, Spektakel zu sein, um zu einem offenen Resonanzsystem zu werden.
Das vollständige Projekt—einschließlich erweiterter Dokumentation, konzeptueller Texte, Bildmaterial und audiovisueller Inhalte—ist auf der digitalen Plattform des Künstlers zugänglich:
